Franzosenfriedhof an der Serkowitzer Straße in Kaditz

1862 machte sich eine Erweiterung des kirchlichen Friedhofes notwendig. Geeignetes angrenzendes Land war nicht vorhanden, so dass der Friedhof an der Serkowitzer Straße angelegt wurde. 10 Jahre später war auch dieser Friedhof voll belegt, es wurde ein Nachbargrundstück erworben mit einer Gesamtgröße von 0,9 ha. Auf dem Friedhof an der Serkowitzer Straße finden sich vorwiegend Urnengräber, aber auch beeindruckende Gruften von Fabrikbesitzern und Architekten. Der Kaditzer Pfarrer Johannes Gotthold Paul Nürnberger, von 1903-1922 Kaditzer Pfarrer, wurde hier beigesetzt. Auch das Grabmal der Familie Hörmann, Fabrikanten aus Mickten, ist hier zu finden.

Dieser Friedhof wird auch Franzosenfriedhof genannt. 1870 wurde ein Barackenlager für französische Gefangene auf den Wiesen beidseitig der Flügelwegbrücke errichtet. Unzureichende und ungewohnte Kost verursachte bei vielen Gefangenen Beschwerden. Dazu kam ein strenger Winter – die Elbe war zugefroren. Bald forderten Krankheiten und Witterung ihren Tribut. Am 25.12.1870 gab es den ersten Todesfall. In den folgenden 5 Monaten starben insgesamt 117 Gefangene im Alter von 25 - 30 Jahren an Ruhr, Typhus und Pocken. Sie alle wurden auf diesem Friedhof beigesetzt. Noch heute existiert ein Sammelgrab für 114 Soldaten. Zwei Unteroffiziere liegen in Einzelgräbern. Beide Gräber hatten ursprünglich ein Holzkreuz. Der Bruder des einen Unteroffiziers ließ 1879 eine Grabplatte anfertigen, deshalb ist ein Grab mit einem Gedenkstein versehen.

1872 errichtete eine französische Stiftung für Gräber der in Gefangenschaft verstorbenen französischen Soldaten ein Grabmal aus Sandstein mit der Inschrift: „A la Memoire des soldat.s francais decedes en 1870-1871, R.I.P., Erige par leurs Compatriotes“ (Im Gedenken der französischen Soldaten, gestorben 1870-1871, Requiscat in Pacem, Errichtet von ihren Kameraden)

Zum 25-jährigen Gedenktag renovierte der Königlich Sächsische Militärverein das Grabmal und stellte eine schwarze Granitplatte auf mit der Inschrift: „Zum 25jährigen Gedenktag erneuert von den Königl. Säch. Militärvereinen Mickten, Pieschen, Trachau, Kaditz am 1. Sept. 1895“.  

Diese Grabanlage wurde nach ihrer vollständigen Restaurierung durch die französische  Kriegsgräberfürsorge am 1.11.2000 neu eingeweiht. Dafür stellte diese 25.000 DM zur Verfügung.

Beschränkte Schließung ab 01.01.2017

Seit dem 01.01.2017 ist der „Franzosenfriedhof“ beschränkt geschlossen. Es werden keine neuen Nutzungsrechte mehr vergeben. Bestehende Nutzungsrechte an Grabstätten werden durch die beschränkte Schließung nicht berührt. Der Kreis der Beisetzungsberechtigten in Grabstätten mit noch bestehenden Nutzungsverhältnissen wird jedoch auf die Ehegatten und Lebenspartner eingeschränkt. Die parkähnliche Anlage mit dem schönen alten Baumbestand steht aber für Besucherinnen und Besucher offen. Das Friedhofsareal soll sich im Zusammenhang mit der Kulturlandschaft Elbaue hauptsächlich als extensiv bewirtschaftetes artenreiches Grünland entwickeln.

 

Kontakt:

Friedhofsverwaltung Dresden-Kaditz

Serkowitzer Str. 39, 01139 Dresden

Tel. 0351.836 19 64
Fax: 0351.873 79 47
E-Mail: friedhof.dresden-kaditz@evlks.de